70 Jahre Bayerische Verfassung

Es war „ein großes Demokratiefest“ zu dem die Landtagsabgeordnete Johanna Werner-Muggendorfer BayernSPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher als Hauptredner in den „Deutschen Hof“ nach Kelheim geladen hatte. Die Sozialdemokraten feierten den  70. Jahrestag der Bayerischen Verfassung und deren Urheber  Wilhelm Hoegner.

„Wir Sozis haben mit dem Freistaat viel mehr zu tun als die Schwarzen“, betonte die Abgeordnete, daher müsse man jedes Jahr an die sozialdemokratischen Wurzeln Bayerns erinnern. Das tat auch Kelheims Bürgermeister Horst Hartmann in seinem Grußwort: „Die Basis, wie sich dieses Bundesland heute in Deutschland und der Welt darstellt, trägt eine klare sozialdemokratische Handschrift.“

Markus Rinderspacher dachte in seiner Festrede ganz offen nach über den aktuellen Zustand der  Demokratie, der heute einhergehe mit Protesten aus dem rechten Lager, Beschimpfungen der Führungsspitzen in der Regierung und Politikverdrossenheit. Weil kaum mehr jemanden der Wert von Demokratie und Freiheit bewusst sei, erinnerte Rinderspacher  an die SPD-Abgeordneten im Reichstag, die geschlossen die Hand  gegen das Ermächtigungsgesetz gehoben hatten, das Hitler freie Hand zu dessen Diktatur gegeben habe.  Viele von ihnen waren  dafür mit Konzentrationslager oder dem Tod bestraft worden: „Das war damals eine der wichtigsten Stunden der Sozialdemokratie.“ Mittlerweile seien diese positiven Vorbilder verblasst, „weshalb viele so viele nichts mehr anfangen  können  mit unserer Demokratie.“ Was das von Hoegner verfasste Papier belangt, sei bis heute „noch verdammt viel zu tun, um alles umzusetzen, was in dieser Verfassung steht.“

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Eröffnung der Wanderausstellung „Schuld und Sühne“

ausstellungseroffnung

„Schuld und Sühne“ hat der Arbeitskreis  Labertal als Titel über seine neueste Ausstellung gesetzt, die in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Staatsarchiv entstanden und noch bis Sonntag, 16. Oktober im evangelischen Pfarrzentrum I.R.R.E.N.E. in Neustadt zu sehen ist.

Im Mittelpunkt stehen die Gewaltverbrechen während des Nationalsozialismus mit Schwerpunkt Bayern. Zwei Tafeln haben die AK-Aktiven  zudem eigens für Niederbayern zusammengestellt.  Ab der kommenden Woche ist die Ausstellung in Geiselhöring, danach in Rottenburg, Straubing und Pfaffenberg zu sehen.

Nicht nur die SPD Landtagsabgeordnete Johanna-Werner-Muggendorfer, die die Ausstellung in Neustadt eröffnete, reagierte „erschreckt und entsetzt,“ auf die Fotos von ausgezehrten und getöteten KZ-Häftlingen und deren Peiniger. Für die Politikerin sind Präsentationen  dieser Art „enorm wichtig, denn wir dürfen diese Grausamkeiten niemals vergessen.“  Jeder müsse sich damit auseinandersetzen, „denn so etwas darf nie mehr passieren.“ Traurige Beispiele liefere allerdings die Aktualität in der Welt, in der in vielen Ländern der Krieg tobe „und die Würde und das Leben der Menschen mit Füßen getreten wird,“ so die SPD-Politikerin.